
Spiegel-Interview
Kurz nach den Ereignissen von Genua wurde Schöner Leben Göttingen
zusammen mit Attac und Linksruck im Spiegel interviewt.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,147720,00.html
FR
vom 20.7.2001
Die gute alte Tante FR tut ihrer Chronistinnenpflicht alle Ehre und erwähnt
bei der Vorstellung des Protestspektrums gegen den G-8-Gipfel in Genua auch
SL. Aber wie das so bei alten Tanten ist, haben die manchmal Probleme, neue
Ideen nachzuvollziehen
Ohne konkreten Forderungskatalog reist die Gruppe "Schöner Leben Göttingen" nach Genua, nachdem "die bestehende ökonomische, politische und soziale Ordnung" eine kurzfristige Umsetzung ihrer Ziele - die "Überwindung des Kapitalismus" - ohnehin unmöglich mache, heißt es im Internet. Die Mitglieder sprechen sich für "selbstbestimmtes Leben" aus und wenden sich "gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse", die sich nach ihrer Auffassung allerdings schon "durch Kürzungsbeschlüsse im Stadtrat" und "Redeverhalten in einem Uniseminar" manifestieren. In Italien möchte die Gruppe gegen "rassistische Flüchtlingspolitik, Zwangsmaßnahmen zur Lohnarbeit" und "ausbeutende Welthandelsstrukturen" protestieren.
VS-Bericht
2001, S. 91f
Der Verfassungsschutz versucht sich an der Einordnung von Schöner Leben,
kommt dabei aber leider nicht über pawlow'sche Reflexe hinaus. Sitz Fiffi!
http://www.niedersachsen.de/functions/downloadObject/0,,c874026_s20,00.pdf
Die Göttinger
Gruppierung "Schöner Leben - Initiative zur Überwindung des Kapitalismus"
äußerte sich in der zum Gipfeltreffen veröffentlichten Zeitung
"Göttinger Bewegungsmelder" zu den Zielen ihres Engagements.
Der Gipfel diene als Anlass, "kreativ, entschlossen und öffentlichkeitswirksam
gegen bestehende Herrschaftsverhältnisse zu protestieren". Für
die Göttinger Gruppierung symbolisiert der Gipfel die bestehenden kapitalistischen
Strukturen:
"Der Gipfel steht für die strukturelle verfestigte... gewalttätig
und geschickt verteidigte Herrschaft über das Leben der Menschen. Er ist
damit eine illegitime Zusammenkunft... Wir streben eine andere, Markt und Macht
überwindende, Entwicklungslogik der menschlichen Gesellschaft an..."
Nach der Auffassung der Gruppierung hintert die bestehende ökonomische,
politische und soziale Ordnung die kurzfristige Umsetzung ihrer Ziele die sich
"gegen rassistische Flüchtlingspolitik, Zwangsmaßnahmen zur
Lohnarbeit oder ausbeuterische Welthandelsstrukturen" richten, die sie
massiv und öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen. Die Überwindung
des Kapitalismus ist für die Autoren ein "Kampfprozess", zu dem
die fortdauernde Aufdeckung struktureller Ausbeutung und Unterdrückung
gehöre.
VS-Bericht
2002, S. 85
Wir und Fiffi: Schöner
Leben erscheint auch im VS-Bericht des Jahres 2002. Allerdings in wesentlich
marginalisierterer Form als noch vor einem Jahr. Da muss sich wirklich bald
mal was ändern, man verliert ja das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden.
Im Stichwortverzeichnis taucht die Gruppe jedoch immernoch unter altem Namen
auf.
"Die im Vorfeld der Protestaktionen gegen die NATO-Sicherheitskonferenz im Februar in München veröffentlichten Aufrufe autonomer Gruppierungen spiegeln die Hoffnungen militanter Linksextremisten wieder. In einem Internetaufruf des autonomen Anti-Nato-Komitees München, der auch von linksextremistischen Gruppen aus Niedersachsen der Gruppierung Schöner Leben Göttingen sowie der Antifaschistischen Aktion Lüneburg/Uelzen unterstützt wurde, bezeichnen die Verfasser die Sicherheitskonferenz als Allianz zwischen Kapital und Militär, der es nur um die Planung gegenwärtiger und zukünftiger Kriege und die Entwicklung neuer milliardenschwerer Rüstungsprogramme gehe."
GDP-Blatt
"Deutsche Polizei", Dez 2001,
S. 12f
Nicht ganz auf dem neuesten Stand war die Gewerkschaft der Polizei, als sie
in ihrer Vereinszeitschrift Schöner Leben vorstellte. Aber immerhin wurden
mal alte Feindbilder wiederaufgefrischt. Beidseitig.
http://www.gewerkschaftderpolizei-online.de/fred/abb/DeuPol1201.pdf
"Schöner Leben"
Die in Göttingen ansässige Gruppierung "Schöner Leben -
Initiative zur Überwindung des Kapitalismus" sei anlässlich der
Prager WEltbank-Jahrestagung im September 2000 von 15 Personen seinerzeit noch
unter dem Titel "Prag-Gruppe 2000" gegründet worden und verstehe
sich - so Zillig - als Initiative, "die sich für die Überwindung
von Herrschaftsverhältnissen" einsetzt. Konkreter wird es in den Publikationen
dieser Gruppierung. So heißt es dort, dass es eine "Zielperspektive"
sei, "in einer herrschaftsfreien Gesellschaft selbstbestimmt, also schöner,
leben zu können." Die Verfasser der Schrift bezweifeln,"dass
mit der Überwindung des Kapitalismus auch schon alle anderen Herrschaftsmechanismen
abgeschafft wären, vielmehr stellen wir fest, dass andere Herrschaftsmechanismen
wie das Patriarchat oder der Rassismus innerhalb des Kapitalismus nur begrenzt
eingedämmt werden können." "Schöner Leben" bedeute
auch, "... heute schon gegen die durch das herrschende System begrenzten
Möglichkeiten für ein emanzipatives Leben auszuschöpfen. ( ...
) Wir wollen die Lebensbedingungen der Menschen hier und heute verbessern und
unbeirrbarr auf die Überwindung des Kapitalismus hinarbeiten."
"Schöner Leben" versteht sich als Teil des PGA-Netzwerkes, ist
- wie eine Vielzahl linksextremistischer Gruppierungen auch - über ein
Postfach im "Roten Buchladen" in Göttingen erreichbar und wurde
von studentischen Gruppen aus dem Bereich Göttingen, aber auch von der
PDS-Bundestagsabgeordneten Heidi Lippmann und dem DGB unterstützt. Die
mangelnde Distanzierung der PDS von Gewalttätern war Thema einer Auseinandersetzung
von Gabi Zimmer und dem Bundesinnenminister; in diesem Zusammenhang wurde bekannt,
dass ein PDS-Jugendverband von seiner Internet-Seite direkt in ein linksextremistisches
Informationsnetz leitet, in dem Gewaltaktionen zu den Gipfeln koordiniert werden.
[a:ka]:
fahrenheit 451, September 2001
Durch geschickte Herausreißen aus dem Kontext gelingt es dem [a:ka] davon
abzulenken, das es nicht in der Lage scheint, konstruktiv mit "anderen"
linken Ansätzen umzugehen
http://www.puk.de/aka/hauptseite.php?fahrenheit=nr6
[a:ka]
Seattle, Prag, Befreiung ?
Nicht völlig
falsch analysierte das [a:ka] eine globalisierungskritische Frühschrift
unserer Gruppe:
"Bei all dem Trubel werden die Inhalte der jungen Bewegung sekundär. Globalisierungsgegner' und Anti-Neoliberal' sind die Attribute, mit denen die Medien die Aktionen versehen; und damit befinden sie sich wohl im Einklang mit den AktivistInnen selbst. "schöner leben - Göttinger Zeitung gegen den IWF/Weltbankgipfel in Prag" titelt mit "Das Leben ist keine Handelsware" und wendet sich in den folgenden Artikeln gegen die neoliberale Politik von Weltbank und IWF. Die Herren und Damen dieser Institutionen seien für eine Globalisierung verantwortlich, die sich nur um die Profite der Konzerne und nicht um die von ihrer Politik betroffenen Menschen kümmere oder deren Verelendung sogar bewusst in Kauf nehme."
Und
"Eine radikale Kritik der Gesellschaft als falsches Ganzes muss die unhinterfragte und deshalb gefährliche Kritik an Institutionen und Exekutoren des Kapitals ersetzen. "Das Leben ist keine Handelsware!"? Doch! Und genau das gilt es zu benennen, wenn man Hunger, Armut, Arbeitszwang und Umweltzerstörung Einhalt gebieten will. Auf das alles ganz anders werde."
Nachzulesen unter http://www.puk.de/aka/hauptseite.php?import=1371195013.
phase
2, herbst 2001, S. 18f
Die Antisemitismus-Debatte erreicht Schöner Leben. Nicht weniger aus dem
kontext gerissen als beim [a:ka].
http://www.puk.de/phase-zwei/archiv/Phase2.02/texte/kritikglobalisierung.htm
Linksruck, schöner Leben und andere - der radikale Flügel
Ganz frei von derartigen Projektionen sind auch die radikaleren Gruppen der
Antiglobalisierungsbewegung nicht. Wenigstens geht es hier tatsächlich
um eine Veränderung der Verhältnisse, aber auch in diesem Flügel
gibt es genug Anknüpfungspunkte an antisemitische Stereotype. Wie sie etwa
der trotzkistische Linksruck ganz offen und naiv ausspricht, wenn er sich gegen
Bonzen, Spekulanten und Korruption wendet. Andere, wie etwa schöner Leben
Göttingen, ersparen einem derartige Zumutungen, sind von ihrer Kapitalkritik
aber auch nicht unbedingt weiter, als die Leute von Attac!. "Wer über
Kapital (Maschinen bzw. viel Geld) verfügt, kann versuchen [!], ... Gewinne
zu erwirtschaften. Vom Staat geduldet [!!] ist dabei vor allem die Möglichkeit
[!!!], seine Arbeitskraft an KapitalverfügerInnen zu verkaufen", heißt
es etwa in einer Broschüre der Göttinger Antiglobalisierungsgruppe.
Nicht nur verschwindet hier jegliche Einsicht in den Zwangscharakter der kapitalistischen
Verwertungsmaschine, auch herrscht eine absolut bürgerliche Definition
dessen vor, was Kapital eigentlich ist - nämlich Geld und Maschinen und
nicht etwa ein abstraktes gesellschaftliches Verhältnis von totalitärer
Qualität. Dieses Missverständnis hat Folgen und führt nicht nur
bei schöner Leben, sondern beim gros der radikalen GlobalisierungskritikerInnen
dazu, die Abschaffung der falschen Verhältnisse als Verteilungsproblem
zu betrachten. Kritikabel ist danach nicht das Kapitalverhältnis als solches,
die Art und Weise also, wie Reichtum in bürgerlichen Gesellschaften produziert
wird, sondern nur, dass dieser Reichtum aus irgendwelchen ominösen Gründen
immer so ungerecht verteilt ist. Geld sei genug da, wird da in kritischer Intention
behauptet und das Geld als Verhältnis damit quasi naturalisiert. Dabei
ist es gerade die Tatsache, dass der Reichtum in kapitalistischen Gesellschaften
in Geldform vorliegt und diese Form von Reichtum nur durch den Kapitalprozess
erzeugt werden kann, die dem Problem zugrunde liegt. Würde tatsächlich
'verteilt' werden, würden sich also die Unternehmen den Mehrwert, den Reichtumszuwachs
nicht mehr aneignen, sondern, wie schöner Leben dies wohl als Utopie vorschwebt,
unter die Leute verteilen, wäre sofort Schluss mit Reichtum überhaupt.
Der Kapitalprozess wird von Marx zusammengefasst als G-G' dargestellt, also
als eine Entwicklung, die aus Geld mehr Geld macht. Wird das 'Strich' hinter
dem zweiten G, der Mehrwert eben, einfach verteilt, bleibt nur G-G, der Tausch
von Geld in die gleiche Menge Geld, übrig: Der Prozess wäre überflüssig
und käme zum Stillstand. Das würde gleichzeitig das Ende jeglicher
Produktion bedeuten, da diese nur dazu dient, den oben dargestellten Ablauf
zu ermöglichen. Statt einer gerechten Verteilung des Reichtums gäbe
es gar keinen Reichtum mehr. Umgekehrt: Um die Verteilungsproblematik zu lösen,
müsste man den Prozess der kapitalistischen Reichtumsproduktion unangetastet
lassen und vielleicht zusehen, dass man mit etwas mehr Vermögens- und Entwicklungshilfeabgaben
wenigstens ein bisschen Ausgleich schaffen kann - womit man - trotz unterschiedlicher
Ausgangsbedingungen - wieder auf dem Niveau von Attac! angelangt wäre.
Das Problem mit dem Kapitalismus ist also nicht die Verteilung, sondern die
Form des Reichtums. Diese gilt es abzuschaffen, wenn die Verhältnisse geändert
werden sollen. Alles andere ist - egal wie radikal gemeint - immer nur ein Herumdoktern
an den Symptomen und letztlich eine Sackgasse, die in den Zwängen der herrschenden
Verhältnisse befangen bleibt.