Einladung zur Veranstaltung
Vortrag und
Diskussion mit Mirjam Anschütz
Über 80% der Bevölkerung sprechen sich gegen die grüne Gentechnik
aus. Aus gutem Grund, denn die Gefahren dieser Technologie sind nach wie vor
nicht abschätzbar. Einmal in die Umwelt ausgebracht, können die genmanipulierten
Konstrukte nicht mehr zurück geholt werden. Doch wie ist das bei sogenannter
Sicherheitsforschung, wenn Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten
Organismen als wissenschaftlich deklariert werden? Das klingt vertrauenswürdig…
oder?
Im Jahr 2006 wurde vom Leibniz-Institut in Gatersleben (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt)
ein wissenschaftlicher Versuch mit Genweizen angelegt. Dieser Versuch provozierte
immense Proteste. Einerseits weil es sich um Weizen handelt, unsere wichtigste
Nahrungspflanze. Andererseits, weil die Freisetzung direkt neben Flächen
erfolgte, auf denen traditionelles Weizensaatgut erhalten werden sollte. Auskreuzungen
waren vorprogrammiert – vielleicht sogar einkalkuliert.
Nachdem aller Protest wirkungslos blieb, zerstörten sechs AktivistInnen
das Genweizenfeld in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion. Die nun anstehenden
Prozesse nutzen sie, um den Skandal um das Genweizenfeld in die Öffentlichkeit
zu bringen. Dass dieser Versuch ein Skandal war, war ihnen vorher bekannt. Um
welches Ausmaß es sich handelt, wussten sie nicht: Im Laufe der Prozesse
stießen die AktivistInnen auf Dokumente über schlampige Kontrollen,
Fördergeldbetrug und nachlässige Versuchsdurchführung.
Am Beispiel des Freisetzungsversuchs in Gatersleben werden die Netzwerke und
die Praxis der Genlobby beispielhaft aufgezeigt: Wissenschaftlich heißt
nicht zwangsläufig korrekt, genehmigt heißt nicht unbedingt sicher
und öffentlich gefördert heißt nicht zwingend im Sinne der Allgemeinheit.
Mirjam Anschütz studiert Ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen
und engagiert sich für die Erhaltung nicht patentierter, bedrohter Nutzpflanzensorten.
Sie beteiligte sich 2008 an der gewaltfreien Gendreck-weg-Feldbefreiung des
Genweizenfeldes in Gatersleben. Nun steht sie mit fünf anderen AktivistInnen
vor Gericht. Sie werden des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung
bezichtigt und sollen 250.000 Euro Schadensersatz an das Institut zahlen.
Donnerstag, 15. April 2010,
20:00 Uhr, Theaterkeller (Geismar Landstr. 19)