Einladung zur Veranstaltung "Kritisches Weißsein" am 27+28.03.2009
Ja, aber doch nur als Randphänomen der Gesellschaft bei weniger
gebildeten, weniger fortschrittlichen oder weniger weitgereisten Menschen, aber
sicher nicht bei uns. Wir sind informiert und aufgeklärt, was Rassismus
angeht, und natürlich sind wir dagegen. Schließlich gehören
wir ja zu den „Guten“. Oder vielleicht nicht?
„Ich Bin Weiß...“
.... sollte die erste Anerkennung davon sein, dass ich als Individuum „rassistisch
verstrickt“ bin, und dass ich als AngehörigeR eines Weißen
Kollektivs einer Kultur angehöre, die sich seit Beginn der Kolonisierung/Okkupation
durch Weiße, als grenzenlos menschenfeindlich bewiesen hat: im besten
Fall über hierarchische Ab- und Ausgrenzung anderer Menschen und im schlimmsten
Fall über Segregation, Deportation und physische und psychische Vernichtung.
Der Begriff Rassismus ist in Deutschland ein rotes Tuch. Er ist strikt reserviert
für Gewalttaten gegen MigrantInnen und andere Minderheiten oder für
Extremismus im Sinne der politischen Ideologie. Rassismus gilt dabei stets als
eine Ausnahme, als Bruch in der ansonsten friedlichen Normalität.
Doch Rassismus beginnt nicht erst mit gewalttätigen Übergriffen, sondern
stellt ein spezifisches Ungleichheitsverhältnis dar, das von fast allen
(re)produziert wird. „Weiße“ Deutsche werden erst durch normierende
Standardsetzungen zu Privilegierten - für „Weiße“ kein
Problem! Es fällt ihnen zumeist nicht einmal auf. Sie empfinden und urteilen
aus einem historisch gewachsenen Selbstverständnis heraus, aus dem sich
wiederum eine klare Hierarchie ergibt. Erfolg und Privilegien werden auf harte
Arbeit und den Charakter zurückgeführt. Mit systematischer Ausgrenzung
und Nicht-Beachtung von anderen hat das nach diesem Selbstverständnis nichts
zu tun. Letztlich trägt aber jedeR dazu bei, dass Menschen zu „Anderen“
oder „Fremden“ gemacht und ihnen somit auch Chancen verwehrt werden.
Die genauere Betrachtung scheinbar banaler Gegebenheiten macht Privilegien
deutlich, die „Weiße“ Deutsche von Geburt an haben:
- Sie werden stets als Individuum betrachtet und nicht für die Taten von
anderen „Weißen“ verantwortlich gemacht.
- Sie werden nicht automatisch als „fremd“ betrachtet und müssen
nicht rechtfertigen, weshalb sie dort leben, wo sie leben.
- Sie können alle Menschen, die nicht „Weiß“ sind, benennen,
einteilen und kategorisieren (ohne dass es rassistisch wirkt).
- Sie können über andere Kulturen richten, sie kritisieren, sich Interessantes
von ihnen selbstverständlich aneignen oder sich über sie lustig machen.
- Sie können aufwachsen, ohne Gefahr zu laufen, rassistisch beleidigt zu
werden.
- Sie können sich in dieser Gesellschaft stets öffentlich anonym bewegen,
wenn sie es wollen.
- Sie müssen sich nicht darüber Gedanken machen, ob Verdächtigungen
oder Kontrollen vielleicht auf Grund ihres vermeintlich anderen Aussehens erfolgen.
- Sie müssen sich nicht mit Rassismus auseinandersetzen oder darauf reagieren.
(nach Noah Sow)
Aretha Schwarzbach-Apithy setzt sich in dem von ihr gestalteten Vortrag/Workshop
mit dem Thema Weißsein auseinander. Sie versucht aus einer „Schwarzen“
Perspektive heraus unreflektierte und ansozialisierte Verhaltensweisen zu analysieren
und darzulegen. Mit einer ethnologischen Herangehensweise deckt sie in spannender
und unnachahmlicher Art auf, wie über die Zeit soziale, ökonomische,
politische und psychologische Fakten geschaffen wurden und bis in die Gegenwart
unsere Wahrnehmung der Welt strukturieren.
Die Veranstaltung beginnt am Freitag, den 27.03.2009 um 17.00 Uhr mit dem einführenden
Vortrag im Foyer International (Am Wilhelmsplatz, Burgstraße 51). Am folgenden
Samstag, den 28.03.2009 wird das Thema von 11.00-18.00 Uhr an gleicher Stelle
in einem Vortrag/Workshop vertieft. Interessierte sind herzlich eingeladen!
Erwünscht ist eine Teilnahme an beiden Tagen.
VeranstalterInnen/UnterstützerInnen:
Schöner Leben Göttingen, DGB Jugend Südniedersachsen/Harz, Die
Zukunfts-Werkstatt e.V. Göttingen, Fachgruppe Sozialwissenschaften, Rosa
Luxemburg Stiftung Niedersachsen, Lehrstuhl für politische Theorie der
Uni Göttingen
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