Anlässlich
der Besetzung am 16.01.08 (mehr: http://www.bb-goettingen.de/1025)
Liebe NutzerInnen des Freiraum-Cafés an der Uni,
mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, dass es in Göttingen einen
neuen Raum gibt, der von den NutzerInnen selbst verwaltet und organisiert wird.
Das ist leider nicht selbstverständlich, wie Ihr ja selbst am Besten wisst.
Allzu oft bleiben die Wünsche nach Freiräumen für selbstbestimmtes,
solidarisches Leben in den Mühlen der Bürokratie und der eigenen Unentschlossenheit
hängen. Die Situation an der Uni scheint da typisch zu sein: Auf der einen
Seite handelt es sich hier um eine „öffentliche“ Einrichtung.
Auf der anderen Seite ist subtil geregelt, wer sich wann wohin zu bewegen hat,
um was zu tun/lernen. Auffallend sind die zunehmenden Verbindlichkeiten und
Zwänge, die z.B. das Bachelor-Studium und die Hartz-IV-Zumutungen mit sich
bringen. Es ist nicht verwunderlich, wenn in solcher Melange aus Druck und Angst
der Blick für nahe liegende Lösungen verloren geht.
Die Eröffnung des neuen Freiraum-Cafés wirkt dagegen wie ein Befreiungsschlag
und eine Selbstverständlichkeit zugleich. Wir finden es sehr klug, bei
der Aneignung des Raumes 1140 bedacht zu haben, wohin die Seminare verlegt werden
können, die sonst dort stattgefunden haben. So sind durch die Eröffnung
des Cafés keine Interessen Dritter verletzt worden. Auch das ist nicht
selbstverständlich. Räume werden von der „öffentlichen
Hand“ nicht gerne hergegeben, sie müssen erkämpft werden.
Wir haben gehört, dass die Unileitung sich bisher, genau wie die NutzerInnen
auch, besonnen verhält. Herr Figura – er ist doch der „Präsident“
(hört, hört!) - hat ja auch kein nachvollziehbares Argument, warum
es dieses Freiraum-Café nicht geben sollte. Um vor seinen KollegInnen
und der Presse „das Gesicht zu wahren“, verhandelt er gerade mit
Euch über Alternativen. Doch lasst Euch nicht irritieren, er kann es nicht
ernst meinen. Bleibt bei dem Raum, er ist von Euch gut gewählt! Das Freiraum-Café
ist schön, vorteilhaft gelegen, vielseitig nutzbar, die Atmosphäre
ist super, zu organisierende Dinge gehen leicht von der Hand, die Kommunikation
der NutzerInnen kann transparent und basisdemokratisch gestaltet werden.
Einige von uns haben den Raum in den letzten Tagen schon für Diskussionstreffen
genutzt, wir werden dort sicherlich die eine oder andere Veranstaltung durchführen.
In Zeiten zunehmender Repression – und für alle Fälle –
erklären wir aber auch solidarisch: Sollte die Unileitung die NutzerInnen
des Freiraums unter Druck setzen, sanktionieren oder gar den Raum entgegen der
Entscheidung des NutzerInnen-Plenums aufzulösen versuchen, werden wir dies
nicht kampflos hinnehmen.
Wir wünschen Euch und allen zukünftigen NutzerInnen des Freiraum-Cafés eine gute Zeit.
Schöner Leben Göttingen
18. Januar 2008