Ya Basta - Es Reicht!
Ein neues Gespenst geht um in Europa, das der Illegalen, der MigrantInnen, der Flüchtlinge... So beginnt der Aufruf italienischer AktivistInnen für den 19. bis 22. Juli nach Genua, wo den Herrschenden anlässlich des Weltwirtschafts- (G-7) Gipfels ein heißer Empfang bereitet werden soll. Antirassistische Ansätze stehen demnach im Mittelpunkt der italienischen Mobilisierung gegen dieses Symboltreffen des neoliberalen Kapitalismus. Der Kampf gegen die Mauern der Festung Europa wird in einen antikapitalistischen Kontext gestellt. Wie antikapitalistische und antirassistische Kämpfe in Italien aussehen und z.B. bei den Protesten gegen den Gipfel in Genua zusammenlaufen sollen, wird ein Mitglied der Ya Basta-Gruppe zusammen mit einer Aktivistin/einem Aktivisten aus Genua berichten.
Seit Jahren wird in Italien erfolgreich gegenSeit Jahren wird in Italien erfolgreich
gegen Rassismus und Kapitalismus mobilisiert. Es haben sich eine Vielzahl von
neuen Aktionsformen wie die Proteste der Tutte Bianche entwickelt.Die Stadtteilzentren
Centri Sociali oder internationalistische Gruppen wie Ya Basta bringen
Tausende auf die Straße. So dürfte es angesichts der aktuellen Vielfalt
und Stärke der sozialen Bewegungen in Italien kein übertriebenes Versprechen
sein, dass der kämpferische Geist von Seattle nach Genua getragen wird.
Schon nach Prag und Nizza waren jeweils rund tausend Leute aus Italien mit einem
Gratiszug unterwegs und zur Unterstützung der Zapatistas flogen über
200 Ya Basta-AktivistInnen im Februar nach Mexiko. Vor wenigen Wochen demonstrierten
rund 30.000 Menschen in Neapel gegen eine IT-Fachtagung des Globalen Forums,
die in den Medien als Generalprobe für Genua bezeichnet wurde.
Italien, traditionell ein Land der Aus- und Binnenwanderung, kennt Einwanderung
als Massenphänomen erst ab Mitte der 80er Jahre. Seit vergangenem Sommer
sind es zunehmend MigrantInnen selbst, die den Kampf gegen Abschiebungen und
Diskriminierungen führen bzw. für ihre Legalisierung streiten. In
Brescia z.B. belagerten im Juni vergangenen Jahres Hunderte von MigrantInnen
über mehrere Wochen den Rathausplatz und forderten Aufenthaltspapiere.
Eine Karawane zog von dort über Mailand und Genua bis nach Rom, Tausende
von Menschen beteiligten sich an Unterstützungsdemonstrationen.
Eine der erfolgreichsten Kampagnen, die von Ya Basta aus dem Leoncavallo getragen
wurde, fand im Januar 2000 ihren Höhepunkt. 20.000 Menschen beteiligten
sich an einer Demonstration gegen das Abschiebegefängnis Via Corelli.
In stundenlangen Auseinandersetzungen wurden die Polizeiketten zurückgedrängt
und der Knast musste nach weiteren Aktionen vom Innenminister vorübergehend
geschlossen werden.
Ebenfalls aus dem Leoncavallo in Mailand stammt die neue Aktionsform der Tutte Bianche, der sog. Weißen Overalls. Die Unsichtbaren in der Gesellschaft, durch deren globalisierte Ausbeutung der Reichtum Weniger ermöglicht
wird, machen sich mittels weißer Bekleidung sichtbar und fordern soziale Rechte wie ein Existenzgeld. Tutte Bianche stehen in Italien für ein sich verbreitendes Konzept des offensiven zivilen Ungehorsams. Neben spektakulären Besetzungsaktionen sind es die behelmten, unter den Overalls gut gepolsterten und mit LKW-Reifen gegen Polizeiketten vorgehenden DemonstrantInnen, die europaweit für Aufsehen sorgten. Mit den weiß gekleideten Körpern als Waffe als medienwirksame und entschiedene Protestform sind Tutte Bianche im Kampf gegen soziale Entrechtung, gegen die Abschiebeknäste, aber auch in Nizza, in Prag und demnächst in Genua in den ersten Reihen vertreten.
Die AktivistInnen aus Mailand und Genua werden auf die aktuelle politische Situation
in Italien eingehen, indem sie die neuen Kampagnen und Aktionsformen nach einem
kurzen Film vorstellen. Zudem werden die theoretischen Ansätze von Ya Basta
zur Diskussion gestellt und über die konkreten Vorbereitungen zum Gipfel
in Genua berichtet.
Ya Basta
(spanisch: Es reicht!)
... ist ein Zusammenschluss internationalistischer Gruppen aus verschiedenen
Städten Italiens, der sich 1994 mit dem Beginn des zapatistischen Aufstands
in Mexiko gebildet hat. Neben konkreten Unterstützungsprojekten in Chiapas
hat Ya Basta/Mailand in den vergangenen Jahren auch an der Entwicklung des globalen
Protestnetzwerks PGA (Peoples Global Action) mitgewirkt. Im März
diesen Jahres haben sie in diesem Rahmen zu einer europäischen Konferenz
eingeladen. Die AktivistInnen von Ya Basta organisieren sich größtenteils
in den Stadtteilzentren Centri Sociali Diese besetzten und selbstverwalteten
Häuser sind wie das Leoncavallo in Mailand in vielen Städten Italiens
als Ergebnis des Kampfes um selbstbestimmte Räume entstanden.