Intitiative„antisexistisch kneipen“
Deckelt
Sexismus
Bierdeckel-Kampagne gegen sexuelle Gewalt an Frauen
Anlass
Ziele
Methode und Material (Bierdeckel)
No Label und Copyleft
Kosten
und Bestellung
Anlass
Wieder einmal wurde eine Frau vergewaltigt. Obwohl sie sich schon in ein Taxi
gerettet hatte, zerrte der Täter sie wieder heraus – für den
Taxifahrer kein Grund zu helfen, er fuhr einfach davon. Die Frau flüchtete
weiter durch die halbe Innenstadt, doch niemandem schien etwas auffällig
genug, um zu helfen.
Später wurde bekannt, dass die Belästigungen durch den Täter
bereits in einer Kneipe begonnen hatten, weshalb die Frau die Kneipe verließ.
Auch hier hatte aber offenbar keineR der anderen Gäste den Vorfall zum
Anlass genommen, um einzuschreiten.
Dieser Fall geschah in Göttingen und wurde zufällig durch die lokalen Medien öffentlich, denn die Frau war so mutig und erstattete Anzeige. Doch es ist bekannt, dass die Dunkelziffer bei sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen deutlich höher ist, als es in offiziellen Statistiken geführt wird.
Der geschilderte Vorgang ist – obwohl ein Einzelfall – leider keine Ausnahme. Nicht nur, dass er sich so oder so ähnlich in jeder anderen Stadt hätte abspielen können. Tatsächlich nimmt eine nicht unerhebliche Zahl (ca. ein Drittel) aller Vergewaltigungen in der Öffentlichkeit ihren Anfang – Gaststätten und Kneipen gehören dazu. Nicht ungewöhnlich ist auch, dass sexuelle Belästigungen und Übergriffe zwar in öffentlichen Räumen vorkommen, eine Reaktion oder Intervention der anwesenden Dritten aber meist nicht erfolgt. Dies auch, wenn Übergriffe im wahrsten Sinne offensichtlich sind.
So bleibt die allerorts geforderte gesellschaftliche Zivilcourage auch für den Bereich sexuelle Gewalt eine leere Formel. Obwohl in der Öffentlichkeit Vergewaltigungen einvernehmlich und in aller Deutlichkeit verurteilt werden, werden konkrete Situationen, die ein Handeln erforderlich machen (könnten), meist als uneindeutig und mit nur geringem Aufforderungscharakter erlebt. Dies nicht zuletzt, weil übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen nur selten von anwesenden Dritten überhaupt als solches bewertet wird. Die heterosexuelle Matrix legt nämlich nahe, dass Frauen und Männer in ihrer angeblich ganz bestimmten Art für einander bestimmt seien und ihre Umgangsweisen ausschließlich zu ihrer Privatsphäre gehören sollten. Sexuelle Belästigungen und Übergriffe von Männern sowie abweisende Reaktionen der Frauen werden sogar häufig als gewöhnliches Flirtritual abgetan. Doch auch wenn übergriffiges Verhalten als „zu weit gehend“ erlebt wird, bleibt die Bereitschaft, sich noch während dieses Vorfalls zu positionieren und gegebenenfalls einzumischen, in der Regel aus – manchmal vielleicht auch aus Unsicherheit.
Ziele
Mit der Kampagne wollen wir einen Beitrag leisten, für das Thema sexuelle
Übergriffe gegen Frauen in öffentlichen Räumen - und möglicherweise
folgende Vergewaltigungen - zu sensibilisieren sowie das Auftreten und die Duldung
sexueller Gewalt gegen Frauen zu reduzieren.
Durch Hinweise sollen Reflektionen angeregt werden, welche Verhaltensweisen gegenüber Frauen bereits Übergriffe darstellen (können). Daneben soll die Kampagne durch die beispielhafte Nennung von Handlungsoptionen ermutigen und auffordern, sich frühzeitig in sexuell übergriffige Situationen einzumischen – insbesondere indem die belästigte Frau angesprochen und ihr ggf. Hilfe angeboten wird. Ziel ist es, in die herrschende Toleranz von sexueller Gewalt gegen Frauen zu intervenieren.
Die Kampagne spricht bewusst die klassische Rollenzuweisung "Täter
= Männer" und "Opfer = Frauen" an, obwohl sexualisierte
Gewalt auch jenseits solcher Geschlechterzuschreibungen in vielfältigen
Formen ausgeübt und erfahren wird. Durch eine gezielte Konzentration auf
einen wesentlichen Bereich gesellschaftlicher Realität und durch den Verzicht
auf weitere Differenzierungen soll in der vorliegenden Kampagne die Prägnanz
und damit die Wirksamkeit des Materials erhöht werden.
Methode und Material
Indem Bierdeckel mit antisexistischem Inhalt in Gaststätten und Kneipen
eingesetzt werden, können die Themen Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe
genau an diejenigen Orte gebracht werden, um die es uns mit dieser Kampagne
geht. Mit Hilfe des Comic-Designs soll sich das ernste Thema in verschiedene
Kneipenkontexte leichter einbinden lassen.
Die Bierdeckel sollen irritieren ohne zu verunsichern oder zu verschrecken.
Sie sollen Anlass für ein Gespräch zum Thema sein ohne sich massiv
aufzudrängen. Sie sollen niedrigschwellig ansprechen ohne auf Sachlichkeit
zu verzichten.
Bierdeckel-Vorderseite
Die Vorderseite des Bierdeckels ist jeweils mit einem von vier verschiedenen
Comic-Motiven bedruckt. Die Themen stellen – teils uneindeutig hinsichtlich
des Bedrohungspotentials – Szenen im Kneipenkontext dar, bei denen jeweils
eine Frau sexuell belästigt oder Opfer eines Übergriffs wird oder
werden könnte. Eine ebenfalls anwesende dritte Person dient als Identifikationsfigur,
die die Situation interpretiert oder bereits interveniert. Die Motive wurden
exklusiv für diese Kampagne von Ka Schmitz (www.ka-comix.de) gezeichnet.


Bierdeckel-Rückseite
Auf der Rückseite der Bierdeckel werden durch einen einheitlichen Text
die Comic-Szenen klar in einen antisexistischen Kontext gestellt. Kurz wird
das Problem von sexualisierter Gewalt beleuchtet, die nicht immer trennscharf
zu alltäglich beobachtbaren Umgangsformen zwischen Männern und Frauen
abgebildet werden kann. Die LeserInnen sollen durch wenige Impulse auch für
ambivalente Signale und niedrigschwellige Übergriffe, die in Einzelfällen
auch in Vergewaltigungen münden können, sensibilisiert werden. Auch
wird auf die Notwendigkeit zur Intervention durch Dritte verwiesen, falls sie
eine sexuelle Belästigung wahrnehmen oder eine entsprechende Eskalation
vermuten. Der Text endet mit einem eindeutigen Appell an die LeserInnen, sich
angesprochen zu fühlen, Verantwortung zu übernehmen und sich gegebenenfalls
angemessen einzumischen – auch wenn das bisher für sie ungewohnt
war.

Bierdeckel-Umrandung
Auf der Vorder- und Rückseite des Bierdeckels laufen als einheitliche Umrandung
Beispiele für Interventionen und Handlungsoptionen. Die Zusammenstellung
soll anregen, eine situationsangemessene Intervention zu wählen und dabei
auch kreativ zu sein. Die Beispiele sollen neben den Comics auch ermutigen,
gegebenenfalls entschlossen vorzugehen. Die Hintergrundfarbe der Umrandung auf
der Rückseite entspricht jeweils der auf der Vorderseite.
No Label und Copyleft
Auf den Bierdeckeln befindet sich bewusst kein Label oder Hinweis, von wem die
Bierdeckelkampagne konzipiert wurde. Nicht zuletzt auf diese Weise soll es vielen
anderen Basisinitiativen, Gruppen und Institutionen erleichtert werden, diese
Kampagne zu unterstützen und zu ihrer eigenen zu machen. Es geht um Inhalte
und nicht um Werbung für ein bestimmtes Projekt gegen sexuelle Gewalt an
Frauen.
Dieses Konzept sowie die graphischen und Textelemente der Bierdeckel unterliegen
der GNU Free Documentation License, Version 1.1 (vgl. www.gnu.org/copyleft/fdl.html)
und dürfen frei verwendet, kopiert, geändert und weiterverbreitet
werden unter Angabe der jeweiligen AutorIn, des Titels und der Quelle.
Kosten und Bestellung
Bierdeckel dieser Kampagne können bei unten genannten Kontakten bestellt
werden. Bei der bestellten Menge sind später die vier Comic-Motive von
der Anzahl her gleich verteilt (d.h. bei 10000 bestellten Bierdeckeln 2500 mit
Motiv 1, 2500 mit Motiv 2...).
Da die Kampagne überregional beworben wird, hoffen wir, bei der Druckerei über die hohe Stückzahl die niedrigsten Stückproduktionskosten zu erreichen. Dies wären voraussichtlich 0,06 Euro pro Bierdeckel. Neben den Produktionskosten berechnen wir dann zusätzlich noch die jeweiligen Versandkosten.
Fragen oder Bestellungen bitte an:
Initiative„antisexistisch kneipen“
c/o Buchladen Rote Straße
Nikolaikirchhof 7
37073 Göttingen
antisexistischkneipen@web.de
Tel. 0551-9964156